YAMA

Die erste Stufe des Yogasutra

Die erste Stufe und damit auch die erste Disziplin ist das „Yama“, das eigene Verhältnis zur Umwelt. Dieses bezieht sich konkret auf das Verhalten anderen Menschen und Lebewesen gegenüber und hat im Yoga einen sehr hohen Stellenwert, insbesondere was die Achtsamkeit und Selbstfindung betrifft. Alles, was wir tun, hat Einfluss auf das, was uns begegnet und wiederfährt. Das Ursache-Wirkungsprinzip wird hier schön sichtbar und zeigt sich bei der Einhaltung des achtgliedrigen Pfads deutlich und positiv.

Vorausgesetzt bleibt dabei, dass niemand alleine lebt und dass die Begegnung nach bestimmten Geboten erfolgt, die einen harmonischen Umgang miteinander möglich machen. Da jeder Mensch häufig auch mit Unsicherheit kämpft, ist das richtige Verhalten nur wenigen von Natur aus gegeben. Es ist entsprechend erlernbar und hat dann auch Einfluss auf die eigene Sichtweise und das eigene Leben. Daher enthält die erste Stufe 5 Yamas, die folgende Bedeutung haben:

  • Ahimsa (Vermeidung von Gewalt, Grausamkeit und Ungerechtigkeit in Taten und Worten)
  • Satya (die wahrhaftige Begegnung durch Ehrlichkeit, Treue, Loyalität und Aufrichtigkeit)
  • Asteya (aus dem Sanskrit übersetzt „nicht stehlen“ in der Bedeutung, weder Dinge noch geistiges Eigentum zu stellen, kein Vertrauen zu enttäuschen oder sich etwas zu nehmen, auf das man kein Recht hat)
  • Brahmacharya (Beherrschung der Triebe und eine Bewegung auf das Wesentliche hin mit dem Bestreben, Erkenntnis und Vollendung der höchsten Wahrheit erlangen zu wollen)
  • Aparigraha (nichts zu begehren und damit nicht besitzergreifend zu sein)

Gerade die beiden letzten Yamas werden häufig verschieden interpretiert. Hier geht es aber auf die moderne Welt umgesetzt einfach darum, das Verhalten günstig zu lenken, nicht durch unkontrollierte Triebe bestimmen zu lassen, wodurch auch die eigene Selbstbeherrschung verloren geht, und zu versuchen, nicht nach Erfolg und Besitz zu streben, da solche Ziele immer auch Leid verursachen, weil man nun einmal nicht alles haben kann oder Wünsche nicht immer erfüllt werden. Das Leiden ist ein Teil des menschlichen Daseins und soll durch Meditation und Yoga aufgelöst werden.

Wer anderen entsprechend so begegnet, wie er es sich auch für sich selbst wünscht, kontrolliert die Reaktion besser und lernt gleichzeitig, bestimmte Situationen genauer einschätzen zu können. Damit ist er nicht mehr ein Spielball äußerer Umstände, sondern kann vielmehr sein Leben und Schicksal selbst bestimmen und in die Hand nehmen. Bei Patanjali heißt es, dass das Verhalten aufrichtig und gewaltlos erfolgen soll. Weder die eigenen Triebe noch der Wunsch nach Besitz und Eigentum sollen als Triebfeder für die Konfrontation mit Welt und Menschen dienen.

Wer sich an das Gebot hält, wird seine eigene Einstellung schnell ändern und auch bewusst reflektieren können. Dadurch kann die Reaktion auch dann gelassen erfolgen, wenn andere sich nicht an die Regeln halten. Möglich ist so, ein verletzendes Verhalten besser wegstecken zu können oder sogar in eine harmonische Richtung zu lenken. Daher sagt Patanjali auch, dass das Gebot der ersten Stufe unabhängig von den Umständen, von Zeit oder Ort ist. Es ist der erste Schritt zur Verwirklichung des Selbst und erlaubt dem Menschen, in vollkommener Übereinstimmung mit sich selbst zu leben und zu lernen, von den eigenen positiv gelenkten Prinzipien nicht abzuweichen.

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