SAMADHI

Die achte Stufe des Yogasutra

Die drei letzten Stufen führen in der Verbindung mit der Verinnerlichung der fünf ersten Stufen zum letzten Glied des Yogapfads, das „Samadhi“, die Vollendung oder Erleuchtung. Gemeint sind gleichzeitig auch die tiefere Sammlung und das Erreichen eines neuen Bewusstseinszustands. Wahrgenommen werden die Verbundenheit mit allem und das Einssein mit der göttlichen Energie oder dem universellen Geist. Es gibt keine Grenzen mehr, keine Unterscheidungen und keine Trennung. Die Erfahrung ist ganz und einheitlich und das Selbst erkannt, ähnlich wie Meister Eckhart sagte, dass der Mensch in Gott ist und Gott im Menschen. Die Einheitserfahrung ist intensiv und allumfassend. Alle Persönlichkeitsattribute sind abgelegt, es gibt kein störendes Ich oder Individuum mehr. Das Bewusstsein ist ganz und rein, erkennt alles in seiner vollen Bedeutung.

„Samadhi“ ist die höchste Stufe und ermöglicht so dann auch den Zustand der Glückseligkeit. Es sind nicht mehr nur einfache Glücksmomente, sondern „Samadhi“ ist ein dauerhafter Strom dieser Empfindung, der nicht mehr ab- oder zunehmen kann. Die Stufe stellt das höchste Ziel im Yoga dar und benötigt dann auch keine der anderen Stufen als Hilfestellung mehr. Sie ist losgelöst und verkörpert das Einssein. Der Geist kann sich direkt in das höhere Bewusstsein versetzen und gleichzeitig Teil des eigenen Bewusstseins bleiben, ohne dass dieses wichtig ist oder wahrgenommen wird. Wenn der Geist diesen Zustand erreicht, ist er vollständig und identisch mit allem. Das ist die wahre und einzige Freiheit.

Als letzte Stufe bleibt das „Samadhi“ natürlich nicht für jeden erreichbar, sondern äußert sich in der modernen Welt vielmehr als angestrebtes Ziel, das jeder Yogapraktizierende in seine philosophische und meditative Auseinandersetzung mit sich selbst einbaut. Möglich ist jedoch immer, störende Gefühle und Gedanken endlich unter Kontrolle zu bringen. Das betrifft alle Emotionen, sowohl Freude als auch Schmerz. Patanjali verweist darauf, dass beide Leiden verursachen, da sie wie eine Welle ihre Form und Intensität verändern. Verliert sich die Freude, tritt ein Mangelgefühl auf. Nimmt der Schmerz ab, entsteht Erleichterung. Alles bleibt jedoch als Erfahrung wertvoll und wird vom Yogaausübenden als das gesehen, was es ist, ohne sich daran festzuhalten oder daran zu verzweifeln.

Das ist das wahre Anliegen vieler Yogarichtungen. Der Mensch kann lernen, sein Leben bewusster wahrzunehmen, sich selbst darin positiv zu entwickeln und innere kreative Quellen zu entdecken. Wenn erst die Erfahrungen im Leben als wichtig für den Lernprozess akzeptiert werden, ist auch die Verarbeitung und der Umgang mit traurigen Momenten oder Schicksalsschlägen leichter. Yoga ist die Achtsamkeit gegenüber Mensch und Leben und die bewusste Auseinandersetzung mit sich selbst. Das ist jedem Menschen möglich, unabhängig von seiner Bildung, seinem Gesellschaftsstand, Beruf oder Charakter. Wer es schafft, seine Gefühle und seinen Geist zu beherrschen, kann diese wunderbare Energie positiv lenken und wird so ganz neue Erfahrungen machen können, die helfen, dem höheren und wahren Selbst näherzukommen.

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