PRATYAHARA

Die fünfte Stufe des Yogasutra

Einen wichtigen Aspekt im achtgliedrigen Pfad nimmt die fünfte Stufe ein, die sich mit der Beherrschung der Sinneswahrnehmungen befasst. Angestrebt ist hier, Yoga überall und unabhängig von den vorausgegangenen Emotionen umsetzen zu können und dabei sofort zu sich selbst zu finden. Es gilt, sich vor dem zurückzuziehen, was einen aufhält, beschäftigt oder den Geist nährt. Wir entfernen uns entsprechend mit unseren Sinnen von den Objekten, die ansonsten unsere Gedanken beschäftigen und beeinflussen. Wird diese Methode im Yoga trainiert, werden wir unempfindlich gegen äußerliche Vorgänge und Reize. Der Geist ruht ganz in sich selbst, kann sich vollständig zurückziehen und entspannen. Die Aufmerksamkeit wird nach innen gelenkt, Ruhe kehrt ein und die Sinne sind stillgelegt. Das ermöglicht Yogis z. B. auch die tiefe Meditation inmitten von Lärm oder das Ausgrenzen von Schmerzen.

Der direkte Vergleich zum modernen Menschen macht den Unterschied deutlich sichtbar. Dieser irrt rastlos herum, fühlt sich vom Geschehen hin und her gerissen, richtet alle Sinne ganz auf das Außen aus und wundert sich dann, dass er keine innere Ruhe findet. Das wiederum verursacht nicht nur Ungeduld und Stress, sondern kann auch schwerwiegendere Auswirkungen haben, darunter die Begünstigung von Krankheiten. Die Welt ist laut und lärmend. Sie wirkt immer auf unseren Geist und unser Empfinden, selbst wenn wir versuchen, sie irgendwie auszugrenzen oder uns zu entspannen. Die Sinne arbeiten jedoch weiter und richten ihre Aufmerksamkeit auf viele unnötige Bezugspunkte. Daher empfiehlt Patanjali im Yogasutra, die Sinne umzukehren. Der Geist soll sich von der Anziehungskraft der Sinnesobjekte lösen.

Das geschieht, wenn der Geist so konzentriert werden kann, dass er in der Lage ist, die Richtung seiner Sinne selbst zu bestimmen und sie den Objekten zu entziehen. In der Regel stellt der Verstand mit dem ihm begegnenden Objekt sofort eine Verbindung her und assoziiert dabei auch alles, was er kennt. Dieser natürliche Vorgang soll durchbrochen werden, indem der Geist bewusst gelenkt und die gedankliche und emotionale Verbindung durchbrochen wird. Natürlich ist dieser Prozess alles andere als einfach, im Yoga jedoch machbar. Erforderlich ist dafür nur Geduld und Übung, ebenso das Einhalten aller anderen Stufen, die immer aufeinander aufbauen.

parallax background

SIE MÖCHTEN MIT
YOGA BEGINNEN?

Ein cooles Buch zum Anfangen