NYAMA

Die zweite Stufe des Yogasutra

Die zweite Stufe des Yogasutras umfasst die geistige Regel des Yogas und die Konfrontation mit dem eigenen Selbst. Entscheidend sind für jeden Yogaschüler das Zwiegespräch mit dem Inneren und die Selbstreflektion. Daraus resultiert die gewünschte Selbstdisziplin, die eine der wichtigsten Voraussetzungen ist, um Gelassenheit und die Verwirklichung des Selbst zu erreichen. Nur wer seine eigenen Emotionen kennt und beherrscht, ohne Zwang ausüben zu müssen, wandelt diese in eine positive Verwirklichung um.

Vereinfacht dargestellt lässt sich sagen, dass im Grunde jeder immer mit sich selbst leben muss. Dabei sollte der Blick in den Spiegel angenehm sein und nicht unsicher erfolgen. Im Yogasutra schlägt Patanjali 5 wichtige Eigenschaften vor, um besser mit sich selbst zurechtkommen zu können. Werden die Regeln befolgt, wirken sowohl die erste als auch zweite Stufe des achtgliedrigen Yogapfads als universelles Prinzip, selbst bei Menschen, die nicht spirituell veranlagt sind. Es gilt dabei, sich selbst erforschen und erkennen zu können, sich zu beobachten und auch das eigene Verhalten zu ändern.

Die fünf Gebote sind:

  • Saucha: (Reinheit, Pflege und Schutz für Körper und Geist, sinnvolle Ernährung und Gesundheitsförderung)
  • Santosha: (Zufriedenheit und Genügsamkeit als positiver Grundgeisteszustand)
  • Tapas: (inneres Feuer, Erhitzung und Entschlackung des Körpers für die geistige Klarheit)
  • Svadhyaya: (Selbsterforschung und Selbstreflexion)
  • Ishvara Pranidhana: (Hingabe zum Leben und zur göttlichen Energie)

Was diese Gebote bewirken, zeigt sich in vielerlei Hinsicht. Die meisten Menschen denken, sie wüssten nicht genau, wer sie eigentlich sind und orientieren sich dafür an der Meinung anderer. Auch versuchen viele, sich über ihre Umwelt und ihr Können zu definieren. Dagegen ist das Ich, ähnlich wie die Welt, nur eine Illusion. Der wahre Wert des Selbst liegt verborgen im Inneren und hat mit den äußerlichen Erfolgen wenig zu tun. Diese beeinflussen zwar das Verhalten, sind jedoch nie dauerhaft gleich. Unverändert dagegen ist das wahre Selbst, das erst noch entdeckt werden muss.

Auch die Orientierung und Lenkung durch andere Menschen kann dabei nicht immer hilfreich sein. Letztendlich ist der Blick auf das eigene Selbst gerade als äußerliche Reaktion immer nur subjektiv und die Deutung lediglich nach eigenen Annahmen und Erkenntnissen möglich. Daher kann nur derjenige etwas über sich herausfinden, der tief in sich selbst hineinlauscht. Eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbst ermöglicht das Erkennen falscher Begierden und Sichtweisen, aber auch das Finden neuer Talente und Eigenschaften.

Patanjali zeigt im „Niyama“ auf, wie die Selbstreflexion überhaupt möglich wird, z. B. durch Hingabe, Verhaltensänderung, Kontemplation und der bewussten Wahrnehmung aller eigenen Ansichten und Verhaltensweisen. Auch der Umgang mit Schwierigkeiten und Traurigkeit gehört dazu. Es gilt, sich selbst permanent zu beobachten, ohne zu urteilen. Das erlaubt dann auch das Leben im Hier und Jetzt, da jederzeit Änderungen möglich sind. Es gilt weniger, sich selbst zu kritisieren als hinzunehmen, wie man ist.

Sind eigene Verhaltungsmuster sichtbar geworden, lassen sich diese in positive Energie umwandeln. Das wiederum bewirkt nach und nach Gelassenheit und tiefe Zufriedenheit. Und diese Voraussetzungen sind wiederum die Basis dafür, grenzenloses Glück zu erfahren und das höhere Selbst zu verwirklichen. Auf die moderne Sichtweise bezogen ist so möglich, das Leben zu meistern und dabei auch eigene innere Talente und Eigenschaften zu entdecken, die wiederum neue Wege aufzeigen, sich positiv zu verändern und zu entwickeln. Für viele Menschen bleibt das wahre Selbst verborgen. Selbstreflexion und Selbsterkenntnis erlauben dann, das ganze innere Potential zu entfalten, zu nutzen und auszuschöpfen.

parallax background

SIE MÖCHTEN MIT
YOGA BEGINNEN?

Ein cooles Buch zum Anfangen