DHARANA

Die sechste Stufe des Yogasutra

Die sechste Stufe ist bereits nicht mehr Teil des praktischen Yogas, sondern der erste Schritt zum königlichen Yoga hin. Alle fünf Vorstufen sind verinnerlicht, der Geist ist vorbereitet und kann nun beherrscht werden. Jetzt bildet das „Dharana“ die Vorstufe zur gedankenfreien und wahren Kontemplation und Meditation. Wörtlich übersetzt bezeichnet das Sanskritwort auch weitere Vorgänge, so das Gedächtnis, das Tragen und Festhalten, das Sich-selbst-Zurückhalten, das Innehaben, das Helfen und das Bewahren von Dingen und Erinnerungen. All das ist Teil der Fokussierung des Geistes auf ein bestimmtes Objekt, was die Vorbereitung zur Meditation darstellt.

Wesentlich hierfür ist die Ausrichtung der Konzentration auf einen Punkt oder eine Richtung, um die natürliche Aktivität des Geistes zu unterbrechen oder in bestimmter Weise auch zu verstärken. Unnötiges Gedankengut wird damit unterbrochen, während der Geist tief in sich hineinlauscht und die positive Erfahrung der Leere macht. Die Leere ist im Yoga nie etwas Negatives. Sie kann vielmehr mit Ruhe, Stille, Göttlichkeit, Wesensfindung und Abschalten verbunden werden. Das Ich ist verschwunden, die Anhaftung an Dinge ebenfalls.

Den Bezugspunkt, auf den sich der Geist konzentrieren soll, kann jeder Yogaschüler für sich selbst bestimmen. Er kann die eigene Atmung, ein Duft, eine kalte oder warme Quelle, eine Erinnerung, ein Bild, eine Vorstellung oder ein Gegenstand sein. Durch das Umkehren der Sinne über die fünfte Stufe, ist der Geist nun in der Lage, mit diesen Bezugspunkten nichts mehr zu assoziieren, sondern sie lediglich als das, was sie sind, wahrzunehmen, als reine und leere Objekte. Das wiederum gestattet die tiefe Konzentration auf einen Punkt in Form einer bewussten Verbundenheit mit dem Betrachtungsobjekt. Spürbar wird dabei, dass alles Eins und verbunden ist. Ein leerer Geist ist gleichzeitig auch ein leeres Objekt und verschmilzt entsprechend mit diesem. Alle daneben stattfindenden Aktivitäten des Geistes werden so ausgegrenzt und eingefroren.

Wer sich ernsthaft mit Konzentration und Meditation auseinandersetzt, weiß, wie schwierig dieses Ruhen in sich selbst ist, gerade auch, wenn Ablenkungen der Fall sind. Patanjali fordert den Yogaschüler daher dazu auf, sich in Geduld und Selbstdisziplin zu üben. Nur durch das Vertrauen in sich selbst, ist die Beherrschung des Geistes möglich und erlaubt so auch Konzentration, Kontemplation und tiefe Versenkung. Die Konzentration bildet daher immer den Auftakt zur Meditation und leitet diese entsprechend ein.

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